Wenn es die Affen schon merken, soziale Stellung und Gesundheit (Pshyche) korrespondieren

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Die soziale Stellung hat offenbar einen erheblichen Einfluss auf das Immunsystem. Zu diesem Ergebnis kommen US-Forscher um Jenny Tung vom Institut für Humangenetik des Universität von Chicago bei der Untersuchung möglicher Zusammenhänge zwischen dem sozialen Rang von Rhesusaffen-Weibchen und deren Immunsystem.

 

 

Wie die US-Wissenschaftler in dem Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) berichten, besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Rang der Rhesusaffen-Weibchen und ihrem Immunsystem. Auf den ersten Blick liegt hier der Schluss nahe, dass einfach die Weibchen mit dem besten Immunsystem den höchsten Rang einnahmen. Doch die Forscher um Jenny Tung konnten belegen, dass sich mit der Änderung des sozialen Rangs automatisch auch das Immunsystem verändert. Demnach hat die soziale Stellung tatsächlich direkte Auswirkungen auf die Abwehrkräfte. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das soziale Umfeld in die Gene und ihre Aktivität eingreift“, berichten die US-Wissenschaftler.

Ungünstiges soziale Umfeld erhöht Krankheitsrisiko
Die Forscher des Instituts für Humangenetik an der Universität von Chicago stellten fest, dass mit einem steigenden Rang der Rhesusaffen-Weibchen auch die Aktivität der Immungene stieg. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass ein „ungünstiges soziales Umfeld oft zu dauerhaften physiologische Belastungen“ führt, berichten die US-Wissenschaftler. Nach Ansicht von Jenny Tung und Kollegen sind die zugrunde liegenden „biologischen Mechanismen von großem Interesse, sowohl für das Verständnis der evolutionären Auswirkungen von sozialem Verhalten, als auch im Kontext der menschlichen Gesundheit“. Um die Auswirkung des Rangs auf das Immunsystem zu überprüfen, unterteilten die Forscher 49 Rhesusaffen-Weibchen in 10 soziale Gruppen, „in denen jeder einzelne soziale Status experimentell kontrolliert werden konnte.“ Parallel untersuchten sie im Labor die Aktivität bestimmter Gene in dem Organismus der Tiere. Dabei stellten Tung und Kollegen fest , dass ein starker kausaler Zusammenhang zwischen dem sozialen Rang und der Genregulation bei den Primaten bestand. Diese Zusammenhang war so eindeutig, dass sich anhand des Zustandes des Immunsystems eine relativ genaue Aussage über den sozialen Status der Tiere treffen lies, schreiben die US-Forscher. Mit 80-prozentiger Genauigkeit konnte der Rang der Tiere allein anhand der genetischen Expression bestimmt werden, so die Aussage von Jenny Tung und Kollegen.

Unterschiedliche Genaktivität je nach sozialem Rang
Um zu überprüfen, ob tatsächlich der soziale Rang die Genaktivität beziehungsweise die Leistungskraft des Immunsystems bedingt und nicht umgekehrt, die Genaktivität über den sozialen Rang entscheidet, haben die US-Forscher im Versuchszeitraum die Rhesusaffen-Weibchen mehrfach zwischen der Gruppen getauscht, wodurch sich auch ihre soziale Stellung veränderte. Mit dieser Veränderung der sozialen Stellung ging eine unmittelbare Anpassung der Genaktivität einher, berichten Tung und Kollegen. „Diese Verschiebungen waren kurzfristig genug, um die Rangveränderungen der Weibchen im Laufe der Zeit an ihnen ablesen zu können“, schreiben die Wissenschaftler. Demnach war die soziale Stellung eindeutig der Auslöser für diese Veränderungen am Immunsystem, so die Aussage der Experten. Die anhand von Blutuntersuchungen ermittelte Genaktivität habe sich zwischen den rangniedrigeren und ranghöheren Rhesusaffen-Weibchen in 987 Genen unterschieden, wobei die besser gestellten Weibchen bei 535 Genen eine höhere Aktivität aufwiesen. Dies waren in erster Linie Gene, die für die Produktion von T-Zellen und andere immunstärkende Prozesse verantwortlich waren, berichten Tung und Kollegen. Die rangniedrigeren Rhesusaffen-Weibchen wiesen vor allem bei den Genen, die eine Schwächung des Immunsystems bedingen, eine erhöhte Aktivität auf, so die US-Wissenschaftler weiter. Sie produzierten weniger T-Zellen und waren deutlich anfälliger für Entzündungen und Infektionen, berichten die Forscher. 

Niedriger sozialer Status bedeutet Stress und schwächt das Immunsystem
Die US-Wissenschaftler fanden nach eigenen Angaben eine eindeutige Verbindung zwischen dem sozialen Status und der Physiologie der Rhesusaffen-Weibchen, was helfen könne „zu erklären, wie soziale Effekte unter die Haut gehen“, betonte Jenny Tung. Die Forscher entschlüsselten auch, auf welche Weise die veränderte Genaktivität bedingt wird. So habe sich gezeigt, dass bei den Affenweibchen mit niedrigerem sozialen Status bestimmte Bereiche des Erbgutes durch Kohlenwasserstoffgruppen blockiert waren, wodurch das Ablesen für die Zellmaschinerie erschwert beziehungsweise verhindert wurde. Dieser auch als Methylierung bezeichnete Prozess gelte als einer der wesentlichen Mechanismen über den Umwelteinflüsse auf die Genaktivität einwirken (epigentischer Effekt), schreiben die US-Forscher. Für die Tiere mit niedrigem sozialen Status bedeutet das Leben in einer streng durchgesetzten Hierarchie mit wenig sozialer Unterstützung chronischen Stress und eine nachhaltige Schwächung des Immunsystem. Dabei spreche vieles dafür, dass allein „die Belastung der gesellschaftlichen Unterordnung eine physiologische Reaktion auslöst“, die ein höheres Erkrankungsrisiko bedingt, berichten Jenny Tung und Kollegen. Die hiermit verbundenen biologischen Mechanismen seien auch von großem Interesse für die Humanmedizin, da Rückschlüsse auf die menschliche Gesundheit und das Sozialverhalten ermöglicht werden, so das Fazit der US-Wissenschaftler in dem Artikel „Social environment is associated with gene regulatory variation in the rhesus macaque immune system“.(fp)

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